Sparerpauschbetrag auch bei Günstigerprüfung

von Marcus Streit, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater

Sparerpauschbetrag auch bei Günstigerprüfung

Die Abgeltungsteuer ist in letzter Zeit ein Dauerbrenner beim BFH. Im vergangenen Jahr ergingen zwei Urteile bezüglich der Anwendbarkeit der Abgeltungssteuer bei nahestehenden Personen. Im aktuellen Jahr erging bereits ein Urteil über die Anwendbarkeit der Abgeltungsteuer bei einem Darlehen zwischen Ehegatten bei wirtschaftlicher Abhängigkeit.

Am 11.03.2015 wurde ein weiteres Urteil des BFH aus dem Themenbereich der Abgeltungsteuer veröffentlicht. Der 8. Senat des BFH hatte sich mit der Frage zu befassen, ob die steuerliche Berücksichtigung der tatsächlichen Werbungskosten anstelle des Werbungskostenpauschbetrags gem. § 20 Abs. 9 EStG möglich ist.

Seit Einführung der Abgeltungsteuer können die Werbungkosten bei Einkünften aus Kapitalvermögen nämlich nicht mehr berücksichtigt werden. Sämtliche Werbungskosten sind mit dem sog. Sparerpauschbetrag abgegolten. Der Sparerpauschbetrag beträgt derzeit EUR 801 für einzelveranlagte und EUR 1.602 für zusammenveranlagte Steuerpflichtige.

Die Abgeltungsteuer mit dem linearen Steuersatz in Höhe von 25 % zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer ist für viele steuerpflichtige eine günstige Besteuerung, da der Abgeltungsteuersatz mit 25 % geringer ist als der persönliche Grenzsteuersatz.

In anderen Fällen ist die Abgeltungsteuer aber keineswegs günstiger. Dies ist dann der Fall, wenn der persönliche Steuersatz geringer ist als der Abgeltungsteuersatz in Höhe von 25 %. In einem solchen Fall kann die Besteuerung der Kapitaleinkünfte mit dem geringeren persönlichen Steuersatz erfolgen. Hierzu ist ein Antrag in der Einkommensteuererklärung erforderlich. Der Antrag wird in der Regel im Rahmen der sog. Günstigerprüfung gestellt.

Genau zu diesem Thema erging das o.g. Urteil. Der BFH entschied, dass auch bei Anwendung der sog. Günstigerprüfung – also die Besteuerung der Kapitaleinkünfte mit dem individuellen Steuersatz – der Sparerpauschbetrag anzuwenden ist. Der Ansatz der tatsächlichen Werbungskosten ist nicht möglich.

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